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Von der Fahr- zur Goldgemeinschaft (Pressespiegel)

Heute in der WAZ/NRZ – Lokalsport in Bottrop von Bastian Rosenkranz

Erfolgreiche SG Essen-Damein: Delaine Goll, Lisa Höpink, Kati Demler, Miki van Loock

Bottrop. Delaine Goll und Kathrin Demler gewinnen bei der DM in Berlin zusammen die Goldmedaille – und sprechen im Interview über viele Parallelen.

Früher zusammen in einer Fahrgemeinschaft, am vergangenen Wochenende zusammen bei der DM in der Goldstaffel für die SG Essen, in Zukunft zusammen in den USA: Parallelen bestimmen die Schwimmkarrieren der beiden Bottroperinnen Delaine Goll (19) und Kathrin Demler (22). Im Interview spricht das Duo über Ferienbeschäftigungen, Konkurrenzsituationen und edelmetallene Zufälle.

Delaine Goll und Kathrin Demler, bei dem Wetter erwische ich Sie bestimmt grade im Freibad, oder?

Delaine Goll: Nein, ich werde die nächsten fünf Wochen ganz sicher nicht ins Becken steigen (lacht). Ich bin zuhause und morgen geht’s zu meinem Freund nach Bulgarien, der startet bei der Kanu-WM.

Kathrin Demler: (lacht) Ehrlich gesagt bin ich grade wach geworden. Heute ist der erste Tag, wo ich wirklich nichts zu tun habe. Die letzte Nacht Netflix, ab morgen dann der Italien-Urlaub.

Großes Pensum bei den Deutschen Meisterschaften

Das Pensum am vergangenen Wochenende war groß. Für Sie ging es zu den Deutschen Meisterschaften nach Berlin – zum wievielten Mal eigentlich?

Demler: (lacht erneut) Sehr gute Frage! Vielleicht sieben oder acht Mal, ich bin ja schon ein bisschen länger dabei.

Goll: Die internationale DM gab es ja vorher nicht, deswegen wäre es genau genommen meine erste Teilnahme. Bei den Offenen starte ich schon seit 2015.

Stellt sich da nicht Routine ein oder schlägt das Herz noch höher – vor dem Wettkampf oder beim Anblick von Spitzenschwimmerinnen wie Franziska Hentke?

Goll: Das ist der Höhepunkt der Saison, natürlich bin ich da aufgeregt. Aber durch die vorherigen Teilnahmen gehe ich schon deutlich entspannter an so eine Meisterschaft heran.

Demler: Je entspannter ich vorher bin, desto besser schwimme ich. Aber die Nervosität lässt sich nie ganz abstellen.

Das scheint gut funktioniert zu haben. Neue Bestzeiten und Gold in der Staffel für Sie, Delaine, ein kompletter Medaillensatz für Sie, Kathrin. War das so geplant?

Goll: Mit den Zeiten und Platz vier über 100 Meter Brust war ich sehr zufrieden, über 200 Meter lief es dagegen nicht. Als hätte ich eine Sperre im Kopf gehabt. Dabei liegt mir die Mitteldistanz eigentlich eher als die Kurzdistanz.

Doppelter Zufall führt zu Medaillen

Vergessen Sie nicht ihre goldene Medaille in der Bilanz?

Goll: Stimmt. Das habe ich überhaupt nicht erwartet, in die Staffel bin ich mehr so zufällig gekommen. Normalerweise schwimmen die Sprinterinnen in der Staffel – geguckt wird aber immer am Wettkampftag, wer die schnellsten Zeiten hatte. Die habe ich eigentlich nicht. Am Wochenende war ich plötzlich die Schnellste und drin. Eine richtig coole Erfahrung.

Demler: (lacht) Bei mir war es ein ähnlicher Zufall. Ich war für die 400 Meter Kraul eingeschrieben, aber es gab einen technischen Fehler. Ich wollte trotzdem noch etwas machen, also habe ich mich für die 200 Meter Schmetterling gemeldet – normalerweise eine Nebenstrecke. Am Ende wurde Silber daraus, ich beschwer mich also nicht. Generell habe ich die besten Zeiten seit Jahren geschwommen, das Training in den USA tut mir gut.

Gemeinsames Staffel-Gold über 4×100 Meter Lagen, eine entspannte Wettkampfvorbereitung und glückliche Zufälle – was verbindet Sie noch?

Goll: Früher haben wir immer eine Fahrgemeinschaft von Bottrop nach Essen gebildet. Seit Kathrin in den USA ist, gab es weniger Kontakt. Da ich bald auch dorthin gehe, ändert sich das grade wieder.

Demler: Delaines ältere Schwester ist mein Jahrgang und wir waren auf der selben Schule, als Dreier-Team haben wir immer viel zusammen gemacht. Wir verstehen uns gut und sind mehr als Teamkolleginnen.

Also gibt es den einen oder anderen Tipp für die Jüngere?

Demler: Delaine weiß, wie man schwimmt. Außerdem sind wir ja auf verschiedenen Strecken unterwegs – ich glaube nicht, dass ich ihr viel übers Brust-Schwimmen sagen könnte. Ich bin eher da, wenn sie Rat für den Amerika-Aufenthalt braucht.

Studienpläne in Ohio und Florida

Apropos Amerika: Kathrin, Sie sind seit zwei Jahren mit einem Sport-Stipendium an der Ohio State University. Für Sie, Delaine, geht es ab Januar an die Florida Gulf Coast University. Was sind ihre Pläne?

Goll: Ich möchte einen guten Uniabschluss machen. Sport, Dolmetscherin, Lehramt: Ich habe noch ein bisschen Zeit, bis ich mich entscheiden muss.

Demler: Ich brauche vier Jahre für den Bachelor in Psychologie. Vielleicht noch Kriminologie dazu, Master und Doktor… mal sehen. Aber Pläne andern sich ja schnell.

Und dann kommt es eines Tages im Becken zum Duell? Als Konkurrentinnen, Bahn an Bahn?

Demler: Darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Ich kann Schwimmen und Freundschaft auseinander halten. Und selbst mit meinen Konkurrentinnen verstehe ich mich gut. Bei Delaine würde ich mich sowieso freuen, sie wiederzusehen – und mit ihr zu quatschen.

Goll: In den USA schwimmen wir gegeneinander, in Deutschland miteinander. (lachend) Alles kein Problem für uns.

Zum Abschluss: Wo landen Sie sportlich?

Goll: Eine Einzelstrecke bei den Deutschen Meisterschaften möchte ich schon gewinnen. Ein Traum wäre auch eine EM- oder WM-Teilnahme – das ist nochmal ganz was anderes als bei den Junioren. Wobei Ungarn 2016 schon toll war.

Demler: Auf internationale Wettkämpfe guckst du natürlich gerne. Meine Karriere in den USA ist 2020 vorbei und ich weiß nicht genau, wie die nächsten zwei, drei Jahre ablaufen. Ich möchte mit Spaß und Leidenschaft beim Schwimmen bleiben – Druck mache ich mir nicht mehr.

Quelle: https://www.waz.de/sport/lokalsport/bottrop/von-der-fahr-zur-goldgemeinschaft-id214934379.html