Ein Tag im Leben von Moritz Brandt
Der Schwimmsport in Deutschland hat schon einige Weltklasse- Athleten hervorgebracht – zu erwähnen sind unter anderem Michael Groß, Mark Warnecke und Paul Biedermann. Doch der Weg an die Welt-Spitze ist hart und voller Entbehrungen.
Moritz Brandt (Jahrgang 1998) ist eines der großen Talente der Startgemeinschaft Essen. Durch seine Leistungen hat sich der 16-Jährige für das DSV-Perspektivteam von Bundestrainer Henning Lambertz empfohlen. Durch die Förderangebote des Perspektiv-teams sollen die jungen Athleten auf die Anforderungen der Weltklasse vorbereitet werden. (Anmerkung: Mit dabei sind auch Kathrin Demler, Lisa Höpink und Damian Wierling von der SG Essen sowie Max Pilger, SSF Bonn, der auch am BSP Essen-Rüttenscheid trainiert). Bei den Deutschen Meisterschaften 2014 in Berlin knackte das Essener Nachwuchstalent im Vorlauf über 200-Meter-Schmetterling mit einer Zeit von 02:01,92 Minuten einen uralten Altersklassenrekord von Michael Gross. Ein halbes Jahr zuvor hatte ihm „der Albatross“ in Freiburg beim Finale der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften der Jugend im Schwimmen 2013 zum Sieg in der B-Jugend gratuliert und die Goldmedaille umgehängt.
Ein paar Wochen später – bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften – verbesserte Brandt seinen eigenen deutschen Altersklassenrekord. Moritz Brandt und sein Hamburger Konkurrent Ramon Klenz lieferten sich über 150 m ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Auf der letzten Bahn machte der Essener dann noch mal richtig auf, löste sich aus dem Windschatten, sicherte sich den Titel mit eineinhalb Sekunden Vorsprung und stellte einen neue deutschen Jahrgangsrekord auf. „Der Mann hat Steher-Qualitäten“, kommentierte der Hallensprecher die furiose Leistung.
„Im Wettkampf kann jede hundertstel Sekunde zwischen Sieg und Niederlage entscheiden“,
erklärt Moritz seine Liebe zum Wettkampfsport Schwimmen: „Man muss immer alles geben.“ Talent und die Bereitschaft über seine bisherigen Grenzen zu gehen, sind zwei entscheidende Faktoren, um ganz vorne mitzuschwimmen – hartes Training ist hierbei ein weiterer wichtiger Faktor. Der derzeit noch 16-Jährige trainiert am Bundesstützpunkt Essen in der JEM-Gruppe von Mitja Zastrow. Trainingsziele von Athlet und Coach: Die erfolgreiche Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften und die erfolgreiche Teilnahme ein den Junioren-Europameisterschaften 2015.
Wie sieht ein Tag im Leben von Moritz Brandt aus?
„Mein Tagesablauf sieht in Kurzform wie folgt aus: Aufstehen – 1. Frühstück – Training – 2. Frühstück – Schule – Mittagessen – Nachhilfe – Training – Abendessen – Lernen – Schlafen“, erklärt Moritz Brandt. Morgens um 07:00 Uhr beginnt für ihn das erste Training. Viermal in der Woche geht der Sechszehnjährige vor der Schule zum Training. Um 06:25 Uhr klingelt sein Wecker. Fünf Minuten bleibt er dann noch liegen. Diesen kleinen Luxus erlaubt er sich. Er wohnt im Sport- und Tanzinternat neben dem Schwimmzentrum Rüttenscheid (Bundesstützpunkt). Das Erste was er morgens sieht, wenn er aus dem Fenster seines Zimmers schaut: Die olympische Fahne und das Schwimmzentrum Rüttenscheid. Die Trainingsstätte der SG Essen, die gleichzeitig Bundesstützpunkt ist, ist nur ein Steinwurf entfernt.
Ein Körnerbrötchen mit Nutella zum Frühstück liefern Moritz die notwendige Energie für die erste Trainingseinheit des Tages. „Zum Frühstück höre ich Musik, um nicht direkt auf den Gedanken vom Training zu kommen und um vielleicht für die etwas längeren Serien einen Ohrwurm zu haben“, beschreibt Moritz sein morgendliches Ritual. Dann trottet Moritz vom Internat zum Schwimmzentrum rüber. „So richtig wach werde ich meistens erst, wenn ich ins Wasser springe“, gesteht Moritz. In einer normalen Trainingswoche absolviert er zehn Trainingseinheiten. (4 x morgens und 6 x nachmittags). Am Nachmittag absolviert er neben dem Wassertraining auch noch Athletiktraining im Kraft- und Gymnastikraum des Schwimmzentrums. Nach dem Frühtraining gibt’s dann das zweite Frühstück und anschließend geht es zur Schule. Moritz Brandt geht auf das Helmholtz-Gymnasium, das keine 100 Meter vom Sport- und Tanzinternat entfernt ist. Ob er nach dem anstrengenden Frühtraining in der Schule schon mal eingeschlafen sei? Nein, richtig eingeschlafen noch nie. Weggenickt – mal kurz. Englisch ist sein Lieblingsfach. Das hat er auch als Leistungskurs gewählt.
„Ich könnte mir sehr gut vorstellen, später einmal in den Vereinigten Staaten von Amerika zu leben.“
Nach der Schule geht es in die Mensa, die auch in der Schwimmhalle ist. Als Leistungssportler achtet Moritz auf sportgerechte und gesunde Ernährung. „Zwischendurch snacke ich eigentlich relativ wenig, aber wenn dann darf es auch mal was Ungesundes sein wie Schokolade oder Chips“, gesteht Moritz. Anschließend zurück zum Internat: Förderunterricht steht auf dem Programm. Nach einer kurzen Erholungspause geht es zur nächsten Trainingseinheit. Die Einheit am Nachmittag dauert 3,5 Stunden (Erwärmung + Wasser + Athletik + Dehnung). „Krafttraining an sich mache ich eigentlich gerne, weil es auch etwas Abwechslung ins Training bringt.“ Zweimal die Woche geht es dann auch noch zur „Physio“.
Moritz hält aktuell sechs Deutsche Altersklassenrekorde
„Ich mache gerne auch mal was mit Freunden vom Schwimmen und auch mit Freunden aus der Schule. Wir gehen ins Kino oder Essen. Manchmal spielen wir auch was auf der Konsole.“ Wenn Moritz trainingsfrei hat, nutzt er die Gelegenheit, um auszuschlafen und mit Freunden durch die Stadt zu ziehen. Bloß nicht im Internat bleiben. „Mein Lieblingsfilm ist „Miracle“, in dem die USA die Mannschaft der UdSSR 1980 im Eishockey schlägt und olympisches Gold gewinnt. Olympisches Gold ist für Moritz ein ferner Traum. „Meine sportlichen Ziele sind dieses Jahr die Qualifikation für die JEM in Baku und dort vielleicht auch eine Medaille im Einzel, um mich für die JWM in Singapur zu qualifizieren.“
Moritz Brandt ist mehrfacher deutscher Jahrgangsmeister und hält aktuell sechs Deutsche Altersklassenrekorde.
