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Team der Frauen schreibt Schwimmsportgeschichte

Zum Schluss wurde es noch etwas eng. Im dritten und letzten Abschnitt der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften am 07./08. Februar 2015 im Essener Hauptbad schmolz der Vorsprung der Frauenmannschaft der SG Essen bedrohlich zusammen. Die mit Top-Schwimmerinnen aus Ungarn verstärkte Mannschaft des SV Würzburg 05 kam nah heran. Cheftrainerin Nicole Endruschat beriet sich mit ihrem Trainerteam, stellte danach die Mannschaft für die letzten Wettkämpfe nochmal um, was dann auch bestens funktionierte. Der Würzburger Angriff wurde souverän abgewehrt und damit setzte die Frauenmannschaft der SG Essen ihre eindrucksvolle Serie fort.

Sie wurde im Jahr 2015 wieder Deutscher Mannschaftsmeister und das nun schon zum siebten Mal in Folge! Das ist neuer Rekord in der 45-jährigen Geschichte der 1. Bundesliga, die 1970 eingeführt wurde. Und Trainerin Kerstin Vogel hatte das passende Geschenk vorbereitet: Eine Torte mit sieben Sternen verziert. Mit großen Worten sollte man immer etwas zurückhaltend umgehen, aber an dieser Stelle ist es wirklich angebracht: Die Frauen-Mannschaft der SG Essen hat Schwimmsportgeschichte geschrieben!

Deutsche Meistermannschaft der Frauen der SG Essen 2015.

Mannschaftswettbewerbe sind bei Schwimmern sehr beliebt

Generell ist der Schwimmsport eine Individual-Sportart. Aber in einem Wettbewerb treten die Schwimmer als Mannschaft an. Es geht um den Titel in der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Für viele Schwimmer ist dieser Wettkampf nicht nur ein, sondern der Höhepunkt im Terminkalender des Schwimmsports. Nicht wenige in der Szene sind der Meinung, dass es keinen anderen Leistungsvergleich gibt, bei dem mit gleichem Engagement und mit gleicher Begeisterung sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer bei der Sache sind.

1994 sind die Männer der SG Essen Deutscher Mannschaftsmeister

Wie auch in anderen Sportarten, gibt es bei den Schwimmern ebenfalls eine Ligen-Einteilung, angefangen von der Bezirksklasse über die Landesliga, Oberliga, 2. Bundesliga bis hin zur höchsten deutschen Liga, der 1. Bundesliga. Ziel eines jeden leistungsorientierten Vereins ist es natürlich, zu den Top 12 in dieser Liga zu gehören. Die Männermannschaft der SG Essen stieg fünf Jahre nach der Gründung der SG Essen in die 1. Bundesliga auf und wurde 1994 Deutscher Mannschaftsmeister. Prominenteste Mitglieder der Meistermannschaft waren die langjährigen Protagonisten der SG Essen Christian Keller und Mark Warnecke. Für die Männer gab es in den Folgejahren ein Auf und Ab in dieser Liga, aber sie waren meistens erstklassig.

Der Damenmannschaft der SG Essen war es dagegen nur für ein kurzes Intermezzo vergönnt, bei diesem Elite-Kreis dabei zu sein. Im Jahr 1994 wurde der Aufstieg geschafft, aber bereits im ersten Jahr der Teilnahme in der 1. Bundesliga gab es den Abstieg zurück in die 2. Bundesliga. Einen erfolgreichen Anlauf zum Aufstieg in die Elite-Liga gab es dann im Jahr 2004. In Frankfurt gelang das große Vorhaben und in den Folgejahren stellten die Essener Schwimmerinnen fest, welche Qualität man haben muss, um den Platz in dieser Elite-Liga zu halten. Nachdem das in den Jahren 2005 und 2006 noch relativ sicher geschafft werden konnte, gab es dann in 2007 im Essener Hauptbad eine Zitterpartie, als es von Beginn an nur darum ging, den Klassenerhalt gegen die Schwimmerinnen von der SSG Saar Max Ritter zu schaffen. Die Entscheidung fiel erst im letzten Rennen und mit einem winzigen Vorsprung von 27 Punkten wurde der Klassenerhalt gerettet.

Der sensationelle erste Titelgewinn im Jahr 2008

Das Jahr 2007 war sportlich negativ davon beeinflusst, dass das Schwimmzentrum Rüttenscheid wegen Umbauarbeiten geschlossen war und so die Trainingsmöglichkeiten sehr eingeschränkt waren. Nach den Sommerferien 2008 bekam die SG Essen dann neue Strukturen. Das Schwimmzentrum war wieder geöffnet, Henning Lambertz war als Trainer verpflichtet worden und mit ihm wechselten drei Schwimmerinnen nach Essen. In Essen war Aufbruchsstimmung und das machte sich schon bald bei den Wettkämpfen bemerkbar. Nicht nur die „neuen“ Essener machten Furore, sondern auch diejenigen, die schon lange dabei waren, zeigten auf einmal erstaunliche Leistungssteigerungen. Das wirkte sich natürlich auch auf die Mannschaftswettbewerbe aus. So war es kein Wunder, dass aus dem Abstiegskandidaten SG Essen in 2007 ein Jahr später ein Teilnehmer der Meisterrunde wurde. Und in Tuttlingen wurde es dann perfekt. Nach großem Kampf wurden die Schwimmerinnen der SG Essen Deutscher Mannschaftsmeister 2008. Nach dem Beinahe-Abstieg in 2007 war dieses Ergebnis sensationell.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Von nun an begann ein Erfolgs-Kapitel der Essener Schwimmer. Der Standort Essen wurde Bundesstützpunkt und die Essener Schwimmer machten viele positive Schlagzeilen. In den Folgejahren hatte die SG Essen immer eine sehr starke Männer- als auch Frauenmannschaft. Und die Frauen gewannen in der 1. Bundesliga Titel auf Titel. Nach dem Titelgewinn im Jahr 2008 in Tuttlingen waren die Stationen in 2009 Wuppertal, 2011 Dortmund, 2012 Darmstadt, 2013 Dortmund und 2014 und 2015 Essen.

Deutsche Meistermannschaft der Frauen der SG Essen 2008.

Im Jahr 2010 gab es keine Mannschaftsmeisterschaft, da dieser Wettbewerb vom Ende des Jahres auf den Anfang verlegt wurde. In diesem Jahr 2010 war die Frauenmannschaft der SG Essen besonders stark und hätte sicher ganz große Chancen zum Titelgewinn gehabt. Aber auch ohne diesen möglichen Titelgewinn wurden die Frauen der SG Essen am 07./08. Februar 2015 zum siebten Mal in Folge Deutscher Mannschaftsmeister, was bisher noch keinem anderen Verein gelungen war.

Die Deutschen Mannschaftsmeister in der 1. Bundesliga seit ihrer Gründung

Es gab auch in der Vergangenheit immer wieder Vereine, die diesen Wettbewerb über mehrere Jahre dominierten und den Meistertitel mehrmals verteidigen konnten. Vier Mal errangen die Schwimmerinnen des SC Berlin den Meistertitel, sechs Mal waren es die SSF Bonn, ebenfalls sechs Mal die Schwimmerinnen aus Heidelberg, die zwischenzeitlich die SSG Heidelberg gegründet hatten, aber dann wieder als Nikar Heidelberg antraten und insgesamt sogar sieben Mal wurden die Frauen der SG Hamburg, die in den 80er Jahren das Maß aller Dinge im deutschen Schwimmsport waren, Deutscher Mannschaftsmeister und davon sechs Mal in Folge von 1986 bis 1991. Aber eben nicht sieben Mal in Folge, wie es jetzt die SG Essen geschafft hat.

Drei Meistertitel für die Männer der SG Essen

Natürlich wollen wir bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, dass auch die Männer der SG Essen in diesem Wettbewerb Großartiges geleistet haben. Insgesamt drei Titel gab es 1994, 2011 und 2013. Damit gehören sie zu den erfolgreichsten Vereinen in der Geschichte der 1. Bundesliga. Rekordmeister sind die Wasserfreunde aus Wuppertal, die in den 70er Jahren die TOP-Adresse in Deutschland waren und insgesamt sechs Mal den Meistertitel bei den Männern holten.

Caroline Ruhnau immer dabei

Natürlich gab es in dem Zeitraum 2008 bis 2015 erhebliche Veränderungen in der Frauenmannschaft der SG Essen. Schwimmerinnen beendeten ihre Karriere oder wechselten den Verein, andere kamen neu dazu und der Nachwuchs rückte nach. Insgesamt waren 26 Schwimmerinnen an der DMS-Erfolgsstory der SG Essen beteiligt.

Die einzige Schwimmerin, die bei allen sieben Titelgewinnen dabei war, ist Caroline Ruhnau. Und sie war nicht nur bei diesen großen Erfolgen dabei, sondern sie gehörte auch zur Aufstiegsmannschaft 2004, war in den Folgejahren 2005 und 2006 ebenfalls dabei und insbesondere beim dramatischen Abstiegskampf im Jahr 2007, als sie mit ihren Leistungen dazu beitrug, dass die SG Essen im Folgejahr überhaupt der 1. Bundesliga angehörte und Meister werden konnte. In nunmehr elf Jahren Bundesliga hat sie einen erheblichen Anteil am Erfolg der SG Essen. An dieser Stelle ein ganz herzliches „DANKE CARO“.

Titelverteidigung wird schwer

Die Frauen der SG Essen werden auch im Jahr 2016 wieder eine starke Mannschaft haben. Dennoch kann man nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass es auch den achten Meistertitel in Folge geben wird. Die Erfahrungen in diesem Jahr haben gezeigt, dass Dinge passieren, die es bislang in dieser Form nicht gegeben hat. Wenn das Beispiel Würzburg Schule macht, wird es sehr schwer, den Titel im nächsten Jahr zu verteidigen. Aber die Frauen der SG Essen werden es versuchen und dazu wünschen wir schon heute viel Erfolg!