SG Essen

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Die SG Essen ist im Jahr eins nach Olympia im Umbruch (Pressespiegel)

In der WAZ/NRZ – Lokalsport in Essen und auf www.waz.de

von Rolf Hantel

Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin sind die Erwartungen der SGE relativ bescheiden. Doch einige Asse bringt sie auf den Startblock.

IMG_9249_dm2017-sge-team_stuckert_webAn diesem Donnerstag schwimmt die nationale Elite im Berliner Europasportpark wieder um Titel. Ein Dreivierteljahr nach den Olympischen Sommerspielen in Rio schlägt das Ereignis aber längst nicht so hohe Wellen wie im Vorjahr. Die Dinge sind im Umbruch, die deutschen Asse müssen sich neu finden. Viele Deutsche Meister sind nach Olympia abgetreten, haben ihre Karriere beendet oder die berufliche Ausbildung intensiviert. Im Vergleich zu 2016 wird es jedenfalls bei dieser DM definitiv 14 neue Titelträger geben.

Nach Olympischen Spielen gibt es immer diese Zäsur

„Ganz normal“, findet Nicole Endruschat, Cheftrainerin am Bundesstützpunkt in Rüttenscheid, diese Entwicklung. „Nach Olympischen Spielen gibt es immer diese Zäsur.“ Und der Blick richte sich ganz weitsichtig schon wieder auf die Spiele in Tokio 2020. Die Athleten sind auf dem Weg dorthin erst am Anfang, aber ein paar Abzweigungen wie etwa die WM Ende Juli in Ungarn gibt es schon. Nur dafür sollte man sich nicht allzu große Hoffnungen machen, schließlich suchen die Deutschen noch immer den Anschluss an die Weltspitze. Und das dauert.

Die Hoffnungen der Startgemeinschaft Essen trägt vor allem Damian Wierling (21). Er war der Shooting Star im Vorjahr. Der junge Mann düpierte bei der DM das gesamte Freistil-Establishment und war Schnellster über 50 und 100 Meter, wobei er im Sprint mit 21,81 Sekunden auch noch den damals acht Jahre alten deutschen Rekord knackte. In Rio sammelte er Erfahrungen und dann hatte er mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Als „schwierig“ bezeichnet Endruschat die postolympische Phase ihres Schützlings. Grundausbildung bei der Bundeswehr, ein hartnäckiges Rückenleiden, Wierling musste immer wieder kleinere Rückschläge verkraften. Die WM-Norm ist in diesem Jahr hoch angesetzt, aber klar, sie und die Titelverteidigung sind das Ziel des Esseners, der am Freitag über 50 Meter startet.

Poul Zellmann konzentriert sich auf die 400 Meter

Ein zweites Ass kann die SGE mit Poul Zellmann (22) ausspielen. Der Langstreckler eilte im Vorjahr rasant von einer Bestzeit zur nächsten. Plötzlich war er ein Kandidat für Rio. Das mit Olympia klappte zwar nicht, aber als Trost blieb ihm die Kurzbahn-WM im kanadischen Windsor, wo er seinen ersten internationalen Titelkampf überhaupt absolvierte. In Berlin konzentriert sich Zellmann auf die 400 Meter Freistil, auch, um möglicherweise einen Staffelplatz für Ungarn einzuheimsen. „Die WM-Norm ist machbar“, findet Endruschat.

Max Pilger gehört wie seine Teamkollegen Wierling, Zellmann und Moritz Brandt zum Olympia-Kader des Deutschen Schwimmverbandes (DSV). Über die 200 Meter Brust möchte er sich für den globalen Wettstreit empfehlen. „Er müsste dann allerdings seine Bestzeit unterbieten und könnte von U 23-Norm profitieren“, sagt die Trainerin. Aber in Kurzbahn-Weltmeister und Titelverteidiger Marco Koch hat er über diese Strecke Deutschlands Besten vor der Brust und seinen ehemaligen Teamkollegen Christian vom Lehn, der nun in Wuppertal einen Neustart versucht.

Moritz Brandt plagen noch immer Nachwirkungen einer Fußverletzung

Moritz Brandt, Junioren-Europameister von 2016 über 400 Meter Freistil, wäre normalerweise ein Medaillenkandidat, aber er hatte sich Anfang des Jahres eine Bänderverletzung im Fußgelenk zugezogen, die ihm noch immer zu schaffen macht. Lisa Höpink wiederum hat gerade eben ihr Abi gebaut, sodass man die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben darf. Die harte WM-Norm ist eine riesige Herausforderung, aber eine Qualifikation für den B-Kader wäre auch okay.

Weitere Medaillenkandidaten sind Michelle Lambert (200 Meter Brust), Jeannette Spiwoks (1500 Meter Freistil) und Alice Ruhnau (50 und 100 Meter Brust).